Eigenschaften von Wellpappe
Wellpappe ist ein Material, das aus zwei oder mehreren Schichten besteht. Hergestellt wird sie aus brauner Pappe, die unter anderem Zellstoff enthält. Außerdem ist eine oder mehrere Schichten wellenförmig aufgebaut, was dem Material seine Elastizität verleiht. Dadurch ist Wellpappe relativ leicht, gleichzeitig jedoch äußerst stabil. Darüber hinaus findet sie in Industrie, Handel und Logistik ein sehr breites Anwendungsspektrum.
Die Geschichte der Wellpappe
Die erste Wellpappe wurde 1856 in England von Edward G. Healy und Edward E. Allen hergestellt. Die Produktion erfolgte auf einer einfachen Maschine, die gewelltes Papier erzeugte. Dieses entstand, indem Papier durch zwei geriffelte Walzen geführt wurde. Damals hatte das Material noch wenig mit der Verpackungsindustrie zu tun – es wurde vor allem als Einlage oder Verstärkung in Kleidung und Hüten verwendet. Im Jahr 1874 verbesserte der Amerikaner Oliver Long das Verfahren, indem er das gewellte Papier mit einer glatten Schicht kombinierte. So entstand die erste zweischichtige Wellpappe, die einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der modernen Verpackungsindustrie leistete.

Wie entsteht Wellpappe?
Die Herstellung erfolgt auf einer sogenannten Wellpappenanlage, die bis zu 150 Meter lang sein kann. Während des Prozesses werden abwechselnd zwei Papiersorten – das gewellte Papier und das glatte Papier – miteinander verbunden. Das Papier für die Wellenform wird durch spezielle Riffelwalzen geformt, die als Fluting bezeichnet werden. Diese bestimmen sowohl die Form als auch die Art der gewünschten Welle.
Verklebung der Schichten
Zur Verbindung der gewellten Schicht mit der glatten – dem sogenannten Liner – wird Stärkekleber verwendet. Nach diesem Schritt entstehen die ersten zwei Schichten der Wellpappe. Darüber hinaus kann dieser Vorgang mehrfach wiederholt werden, um Pappen mit unterschiedlicher Steifigkeit und Belastbarkeit herzustellen.
Die Welle in der Pappe – Bedeutung und Anwendung
Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass die Kanäle zwischen den Wellen alle parallel zueinander verlaufen. Diese Ausrichtung wird als Welle bezeichnet. Warum ist sie so wichtig? Die Richtung der Welle beeinflusst direkt die Stabilität und das Faltverhalten einer Verpackung. In der Praxis ist entscheidend, zu welcher Seite die Welle parallel verläuft. Beim Stanzen eines Verpackungsmusters, also beim Einsatz eines Stanzwerkzeugs, verlaufen die sogenannten Rilllinien entlang bestimmter Achsen. Diese Linien – auch Biegelinien genannt – pressen das Material an den vorgesehenen Stellen ein, ohne es zu schneiden. Wichtig ist also, dass die Welle richtig zur Rillrichtung verläuft. Wenn die Welle parallel zu den Rillen liegt, kann das Falten, insbesondere bei Mikrowelle, erschwert werden. Daher sollte beim Bestellen der Wellpappe immer angegeben werden, welche Rillrichtungen vorrangig sind. Nur so lässt sich ein reibungsloser Produktionsprozess sicherstellen und ein ästhetisch sauberes Ergebnis erzielen.
Aufbau der Wellpappe – Arten und Anwendungen
Wellpappe ist in verschiedenen Varianten erhältlich – von der einfachen zweiwelligen bis zur komplexen siebenschichtigen Ausführung (siehe Foto unten). Jede Art besitzt ihre eigenen Merkmale und Einsatzgebiete, die von der Festigkeit und den Druckmöglichkeiten abhängen. Nachfolgend stellen wir die am häufigsten verwendeten Typen im Detail vor.

Zweiwellige Wellpappe
Die einfachste Form besteht aus zwei Schichten: einer glatten Außenschicht – auch Deckenpapier genannt – und einer inneren Wellenlage, die dem Material seine Elastizität verleiht. Die Decken bieten Stabilität, Steifigkeit und ermöglichen hochwertigen Offsetdruck.
Wellenarten:
F-Welle: Höhe 0,9–1,2 mm, Farben: grau–grau, weiß–weiß, weiß–grau.
E-Welle (Mikrowelle): Höhe 1,2–2 mm, Farben: grau–grau, weiß–weiß, weiß–grau.
B-Welle: Höhe 2,4–3 mm, Farben: grau–grau, weiß–weiß, weiß–grau.
C-Welle: Höhe 3,5–4 mm, Farben: grau–grau, weiß–grau.
Zweiwellige Pappen werden häufig in der Serienfertigung von Verpackungen mit hohen Stückzahlen eingesetzt, bei denen sowohl Qualität als auch Preis entscheidend sind. Sie können mit Drucken auf MMLiner-, Kraftliner- oder GD2-Karton kaschiert werden.

Dreiwellige Wellpappe
Die dreiwellige Pappe besteht aus zwei Außenschichten und einer mittleren Wellenlage. Sie wird am häufigsten für kaschierte Verpackungen, Flexodruckverpackungen und Transportkartons verwendet. Darüber hinaus kann sie vollflächig oder einfarbig bedruckt werden. Zudem lassen sich bedruckte Bögen mit Folie, UV-Lack, Prägung oder Hot-Stamping veredeln.
Technische Daten:
F-Welle: Höhe 0,9–1,2 mm, Grammatur 240–300 g/m²
E-Welle (Mikrowelle): Höhe 1,2–2 mm, Grammatur 346–490 g/m²
B-Welle: Höhe 2,4–3 mm, Grammatur 277–580 g/m²
C-Welle: Höhe 3,5–4 mm, Grammatur 400–590 g/m²

Fünfwellige Wellpappe
Die Anforderungen der modernen Industrie führen auch zum Einsatz robusterer Materialien, die schwieriger zu verarbeiten sind. Fünfwellige Pappe besteht aus Kombinationen von EB- oder BC-Wellen, die eine hohe Druck- und Bruchfestigkeit gewährleisten.
F-Welle EB: Höhe ca. 5 mm, Grammatur 650–850 g/m²

B-Welle BC: Höhe 6–7 mm, Grammatur 690–1500 g/m²

Messung der Festigkeit von Wellpappe
Die Belastbarkeit von Wellpappe und Verpackungen wird mit speziellen Prüfverfahren bestimmt:
FCT – Flachstauchfestigkeit, misst die Kraft, die zum Bruch der Welle erforderlich ist, wenn das Blatt flach liegt.
ECT – Kantenstauchfestigkeit, bestimmt die Kraft, die benötigt wird, um ein vertikal stehendes Blatt zu brechen.
BCT – Box Compression Test, misst die Belastbarkeit eines Kartons zwischen zwei Platten bis zum Kollaps der Seitenwände.
Die Wahl der richtigen Wellpappe ist entscheidend für Qualität, Haltbarkeit und Ästhetik der Verpackung.
Durch die präzise Auswahl von Wellenhöhe und Grammatur lassen sich sowohl elegante Geschenkverpackungen als auch stabile Transportkartons herstellen.


